Kaufen und abwägen

«Wenn Sie mich fragen, sind alle möglichen Rauschmittel massiv präsent gewesen im Lockdown. Die Nachfrage war gross und als es irgendwann nicht mehr genug Gras für alle gab, weil die Grenzen zu waren, kamen die Vergifteten zu uns, weil gestrecktes, mit irgendwelchen Chemikalien versetztes Zeug geraucht wurde. Weil so manche, die früher mal eine Mentholzigarette geraucht hatten, dachten, man könnte sich mal so’n Joint drehen. Viele haben gedacht, jetzt oder nie – haben sich mit irgendwelchem Zeug berauscht, und landeten dann nicht selten hier auf dem Notfall.» 

(Interview Notfall, 18.01.2023)



«Da hat man wirklich zum Teil um elf Uhr am Abend irgendeine E-Mail vom Lieferanten bekommen, die Ware, die uns zugesichert wurde, die wir einberechnet haben, kommt plötzlich doch nicht, weil irgendwie ist das irgendwo anders weggekauft worden. Wirklich unberechenbar. Hamsterkäufe. Nebst dem, dass sehr viele Lieferanten und Hersteller das ausgenützt haben, und sehr viel auf den Markt gekommen ist, das regulatorisch nicht zulässig gewesen ist. Fälschungen, da musste man extrem aufpassen. Am Anfang hat man keine Masken gehabt, und plötzlich wurden sie einem hinterhergeworfen. Weil plötzlich jede:r Masken liefern konnte. No-Name-Lieferanten, die wir nicht kannten, und man ganz gut aufpassen musste, wo beschafft man? Ist dieser Lieferant zulässig? Und sind diese Produkte wirklich wirksam und entsprechen die dem Standard? Aber das hat man immer in ganz kurzer Zeit entscheiden müssen. Weil man Fristen bekommen hat: Bis dann und dann müsst ihr es bestellen, sonst ist es weg. Das ist ein schwieriges Abwägen gewesen. Wie viel Risiko geht man ein, und man muss trotzdem immer sicherstellen, dass am Schluss Patient:innen und Mitarbeitende in Sicherheit sind, dass es die Leute auch schützt.»

(Interview Strategischer Einkauf Zentrallager, 11.01.2023)

Trennen und verbinden

«Ganz spontan: Plexiglas. Wir haben ein x-faches, also, zehn-, zwanzig- dreissigmal so viel Plexiglas zugeschnitten wie vor der Pandemie. Unmengen. Plexiglas wollten wirklich alle, um abzutrennen: Patient:innen, Mitarbeiter:innen, Gäste in den Restaurants, bei Empfängen. Jede Klinik, jede Abteilung hat einen eigenen Empfang mit Glasschiebern. Wenn man diese zu macht, versteht man einander nicht mehr. Vor allem bei den Empfängen ist Plexiglas von uns ins Spiel gekommen. Das meiste haben wir selbst zugeschnitten, weil alles eine etwas andere Grösse, andere Höhe, andere Dicke braucht. Einen Teil haben wir auch dazu gekauft. Vielleicht bleibt das Plexiglas auch länger, weil so ‹echli› Schutz, auch abgesehen von Corona, wichtig ist.»

(Interview Schreinerei, 05.12.2022)



«Das Maskentragen ist in unserem Alltag, vor allem eben in der Winterzeit, normal gewesen. Überhaupt nicht im Zusammenhang mit der Pandemie, sondern mit der Grippesaison. Unsere Patient:innen sind zum Teil immungeschwächt, das Risiko ist höher. Ich kann mich an einen Patienten erinnern, der gehörlos war, wo wir Masken mit Sichtfenstern angeschafft haben, weil wir gemerkt haben, dass die Kommunikation sonst nicht möglich ist, wenn wir uns schützen wollen, weil er uns eben nicht versteht mit der Maske. Bei sehr schwerhörigen Patient:innen finde ich es schwierig, mit der Maske zu kommunizieren. Es gibt schon Situationen, wo man das Gefühl hat, es ist hinderlich.»

(Interview Palliative Care, 14.12.2022)

Produzieren und importieren

«Plötzlich ist der Markt leer gewesen und es gab weltweit nichts mehr. Viele EU-Staaten haben veranlasst, Medizinprodukte im Land zu lassen und auf ihren eigenen Bedarf geachtet. Die Schweiz sieht da zuerst sehr alt aus, weil wir keine Produktion haben, sondern die meisten im Ausland produzieren. Wir hatten keine Lieferanten mehr, die uns beliefern konnten, weil nichts mehr in die Schweiz gekommen ist. Das ist so weit gegangen, dass die Ware am Zoll hängen blieb und Lastwägen mit Medizinprodukten nicht mehr in die Schweiz gekommen sind. Die Ware wäre physisch verfügbar gewesen, aber wir haben sie nicht über den Zoll in die Schweiz reingebracht. Durch Frankreich, glaub ich, konnte man nicht mehr durchfahren, weil Medizinprodukte sonst grad in Beschlag genommen wurden. Man musste schauen, über welche Route man geht.» 

(Interview Zentrallager Einkauf, 11.01.2023)



«Ich hätte nie gedacht, dass ich Lagekarten sehe – da wird mir immer noch ‹sochly› kühl am Rücken – und eines davon ist die schöne Schweiz und eine dicke Linie drumherum. Unvorstellbar. Das sind so Sachen, bei denen ich dachte: Hey, das hattest du früher höchstens einmal als unrealistisches Szenario in einer Übung, wo die Grenze zu ist und du grosse Nachschubprobleme entdeckst. Da hast du gedacht: Jaja, ist gut. Wer hat sich das, in welchem schlechten Traum, ausgedacht?» 

(Interview Kataplan, 02.02.2023)

Abstreichen und skizzieren

«Den Covid-Track haben wir innerhalb von drei Tagen installiert und eröffnet. Das war ein Riesenaufwand, den wir neben dem Alltagsgeschäft bewältigten. Am 27. Februar 2020 wurde eröffnet und am 5. Februar 2023 wieder geschlossen. Drei Jahre hat dieses Provisorium gehalten. Vorgängig war der Raum eine Betoneinstellhalle für Autos. Der Boden musste neu gelegt werden, eine verschliessbare Tür wurde installiert, wir brauchten Tische, Stühle, IT, Laptops, Drucker, alles Mögliche musste organisiert werden. Auch der ganze Prozess, wenn Leute kommen, musste geklärt werden: Wie streicht man ab? Wohin mit den Abstrichen? Wie wird das Labor ausgefüllt? Wie sehen die Labor- und Befragungszettel aus? Wer holt die Röhrchen ab und bringt sie ins Labor? Wie verrechnet man das? Gibt es verschiedene Fälle wie krank, nicht krank, ferienhalber, Kostenträger? Wir mussten mit der IT zusammenspannen, am Schluss konnte man sich auch online anmelden und einen Termin buchen. Das gab es zu Beginn alles nicht. Wir brauchten einen Sicherheitsdienst, der die Leute einwies, den Weg wies, die Riesenschlange kontrollierte, hochschwangeren oder sehr alten Menschen den Vorzug gab. Wir haben ihn am Anfang Checkpoint Charlie genannt. Der Übertritt zwischen gesund und krank, zwischen Angst und Hoffnung, zwischen Isolation, Quarantäne und normalem Leben, Weiterleben.»

(Interview Notfall, 18.01.2023)



«Wir haben bald begonnen, Teststellen aufzubauen. Da die vorgesehene Variante aus der internen Pandemieplanung für die aktuelle Pandemie nicht geeignet war, gingen wir vor Ort schauen, was es für Möglichkeiten gäbe, wo man so eine Teststelle aufbauen könnte. Wir haben einen Tag lang verschiedene Varianten überlegt und Fotos gemacht und in der Nacht habe ich Google-Maps-Kontouren vom Parkplatz abgepaust, vergrössert und so einen Grobplan für eine Teststelle entworfen. Am nächsten Morgen haben die Projektplaner:innen das in eine Detailplanung überführt, und direkt im Anschluss begonnen zu bauen, am zweiten Tag war die Teststelle fertig gebaut. In der Nacht hatte ich den Betriebsablauf verfasst, so konnte der fertige Covid-Track direkt in Betrieb genommen werden. Es war sehr dynamisch und gab auch eine gute Zusammenarbeit mit dem Notfall, welcher in einer späteren Phase den Betrieb der Teststelle übernommen hat, dem Mikrobiologielabor und dem Bauprojektpersonal. Für mich war die erste Phase sehr stundenintensiv, ich arbeitete damals fast rund um die Uhr, über 20 Stunden am Tag.»

(Interview Spitalhygiene/Infektiologie, 16.02.2023)