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Inselgeschichten: Das "Haubenproblem"



22 juin 2022



1973 kam es im Inselspital zu einem „Haubenproblem“. Im Zentrum stand die Frage, ob die Pflegerinnen verpflichtet waren, im Dienst die Kopfbedeckung – die "Schwesternhaube" – zu tragen. Die Diskussionen, an denen unterschiedliche Personen beteiligt waren, geben Einblicke in eine Zeit des Wandels – nicht nur des Pflegeberufes und des Inselspitals, sondern auch der Gesellschaft.

Die Unterschriftensammlung

Angestossen wurde das „Haubenproblem“ Ende Mai 1973 von der Oberschwester der Kinderklinik, Sylvia Röllin. Sie wandte sich schriftlich mit der Bitte an die Oberin des Inselspitals, Johanna Lais, die Haubentragepflicht abzuschaffen. Gerade in der Arbeit mit Kindern sei „das Tragen der Haube wirklich oft lästig“ und alle anderen Kinderspitäler hätten die Haube bereits abgeschafft. Röllin preschte nicht alleine vor, sondern legte eine Unterschriftensammlung bei: Beinahe 100 Pflegerinnen von unterschiedlichen Stationen setzten sich für die Abschaffung des Obligatoriums ein.

Die "Schwesterntracht"

Die Krankenpflege war für Jahrhunderte eng verknüpft mit religiösen Orden. Noch Ende des 19. Jahrhunderts dominierten Ordensschwestern den Beruf. Insbesondere die Schwesterngemeinschaft der Diakonissen (ab 1844 in Bern), widmete sich vorwiegend der Krankenpflege. Nur langsam etablieren sich konfessionslose Schulen: 1899 gründete das Schweizerische Rote Kreuz in Bern eine erste Pflegerinnenschule. Hier lernten Frauen, als Pflegerinnen für die Gesellschaft tätig zu sein. Doch auch diese weltlich ausgebildeten „Krankenschwestern“ trugen weit ins 20. Jahrhundert hinein bei der Arbeit Kleidung, die nicht in erster Funktionalität ausgerichtet war. Das Kleid, die Schürze und die Haube der verschiedenen Pflegeschulen erinnerten an die religiösen Ordern und an die Tracht verheirateter, bürgerlicher Frauen des 19. Jahrhunderts. Viele Pflegerinnen verstanden diese Uniform ihrer Ausbildungsstätte als Auszeichnung und trugen mit Stolz – teilweise auch in der Freizeit.